Herbstpflanzung

„eine altbewährte Methode“

Die Anlage einer Herbstkultur, eine altbewährte Methode, die in den letzten Jahrzehnten bei den Praktikern schon fast in Vergessenheit geraten ist, hat in den vergangenen Jahren wieder mehr an Bedeutung gewonnen.

Misserfolge mit der Fichte, meist aufgrund zu später Pflanztermine, haben die Herbstpflanzung in Verruf gebracht.

Extreme Wetterkapriolen in den vergangenen Jahren, vor allem im Frühling (von lang anhaltender Schneedecke bis hin zur absoluten Trockenheit) zwangen viele Betriebe einen Teil der geplanten „Jahresaufforstung“ in den Herbst zu verlegen. Speziell Nachbesserungsarbeiten und die Aufforstung kleinerer Flächen wurden auf den Herbst verschoben. Dieser Trend macht sich vor allem in den Forstbaumschulen bemerkbar, da in den vergangenen Jahren konstant mehr Forstpflanzen im Herbst verkauft wurden. Die Herbstpflanzung bietet einige Vorteile und ein beachtliches Einsparungspotential:

Reduktion der Kulturpflegekosten

Den wirtschaftlich größten Vorteil bringt die Herbstpflanzung durch eine weitgehende Vermeidung des Pflanzschocks im ersten Vegetationsjahr. Bei richtiger Durchführung der Pflanzung wachsen die Pflanzen im Frühjahr ganz normal weg und erreichen so einen wichtigen Wachstumsvorsprung gegenüber der Unkrautvegetation. Die zeit- und kostenintensive Kulturpflege (vor allem das Ausmähen der Kultur) wird somit erheblich reduziert. Insbesondere bei der Anlage von Christbaumkulturen wird dieser Wachstumsvorsprung deutlich messbar. In dieser kostenintensiven Produktionssparte ist jedes Jahr viel wert, um das sich die Umtriebszeit verkürzt. Denn eine gezielte Verkürzung des Produktionszeitraumes bedeutet eine Steigerung der Rentabilität, d.h. geringere Pflegekosten, ein deutlich vermindertes Schadrisiko (z.B. Spätfrost, Hagel usw.) durch die Umtriebsverkürzung und somit einen rascheren Rückfluss des eingesetzten Kapitals.

Der richtige Zeitpunkt

Die Wahl des richtigen Zeitpunktes ist maßgeblich für den Erfolg einer Herbstkultur verantwortlich. Nadelhölzer, vor allem die flach wurzelnde Fichte und alle Kieferarten müssen spätestens Ende September gepflanzt sein, damit sie noch genügend anwurzeln können. Auch die tief wurzelnden Tannenarten zeigen zu diesem Zeitpunkt die besten Anwuchsraten. Da Sproß- und Wurzelwachstum abwechselnd stattfinden (siehe Abb.1), folgt bei vorhandener Feuchtigkeit und ausreichender Bodenwärme noch eine Phase intensiver Wurzelbildung. Für die Pflanze ist es wichtig, dass sie sich im Boden noch ausreichend verankern kann, damit sie von eventuell auftretenden Barfrösten (= das Auffrieren der obersten Bodenschicht, die sich in diesem Zustand schorfartig abheben lässt) nicht mehr gelockert und ausgehebelt werden können. Somit kann die Winterfeuchtigkeit optimal genützt werden und im Frühling steht dem vollen Triebwachstum der Pflanze nichts mehr im Wege.

Bei den gesamten Laubhölzern, der Douglasie und der Lärche findet die Verholzung des Höhentriebes erst im Oktober/ Anfang November statt. Erst ab diesem Zeitpunkt ist ein Transport und eine Verpflanzung möglich. Auf den vollständigen Laubabfall zu warten ist nicht notwendig. Entscheidend ist, ob der Leittrieb und die Endknospen ausgereift und stabil sind. Ist das nicht der Fall, kann es zu Schäden beim Transport und bei den Verpflanzungsarbeiten kommen. Die Folge sind Zwieselbildung und Verbuschung. Da die Laubholzpflanzen Ende Oktober nicht oder kaum mehr anwurzeln (abhängig von der Witterung), ist die Wahl des Pflanzverfahrens besonders wichtig, damit ein Hochfrieren bei Barfrösten verhindert wird. Gewarnt wird vor einer schlampig durchgeführten Lochpflanzung. Durch das Graben des Pflanzloches wird die gewachsene Bodenstruktur zerstört und das Erdmaterial durchgehend gelockert. Dadurch wird ein Hochfrieren der Pflanzen erleichtert. Ein festes Antreten ist notwendig, um die gewünschte Stabilität zu erreichen.

In vielen Betrieben wird die Produktionskraft der Waldflächen noch nicht voll genutzt. Gerade die Herbstkultur bietet die Möglichkeit kleinflächige Arbeiten, wie längst fällige Nachbesserungen oder die Ergänzung vorhandener Naturverjüngung gewissenhaft und ohne Zeitdruck durchzuführen.

Eine gezielte Einbringung z.B. von wertvollen Mischbaumarten und die optimale Nutzung von Kleinstandorten können die Wertleistung einzelner Waldflächen äußerst positiv beeinflussen und somit nachfolgenden Generationen ein sicheres Einkommen aus der Waldwirtschaft ermöglichen.

Abb. BFW