5 wichtige Fragen für die Praxis, welche bei einer Aufforstung mit wurzelnackten Pflanzen beachtet werden sollen! 

1. Wie groß ist die Aufforstungsfläche?
Egal, ob man eine Neubegründung oder eine Aufforstung einer gerodeten Fläche macht, die Kenntnis über die Größe der Aufforstungsfläche ist wichtig. Dabei kann man sich computerunterstützter Geoinformationssysteme bedienen oder man teilt sich die Flächen in einzelne Teilflächen und schreitet diese in der Natur ab.

 

2. Soll/Muss man einen Zaun errichten?
Das ist die wohl meist gestellte Frage, über die man sich im Vorhinein Gedanken machen sollte. Generell ist zu sagen, dass die verlässlichste Methode, Wild von der Aufforstungsfläche fernzuhalten, die Flächenzäunung ist. Das heißt jedoch nicht, dass sich Wild nie im eingezäunten Bereich aufhält. Regelmäßige Kontrollen der Zäunung sind unerlässlich, da oftmals Wild durch geländebedingte Unebenheiten oder beschädigter Zaunfelder (herabfallende Äste oder Bäume) in die Zäunung findet. Nachteile der Zäunung sind die körperliche Anstrengung bei der Errichtung (alle Aufforstungsflächen liegen nicht in der Ebene!). Eine zweite Person ist bei der Errichtung meist erforderlich. Bei der Einzäunung muss man sich auch im Klaren sein, dass der Zaun nach einer bestimmten Zeit abgetragen werden muss, was wiederum mit starker, körperlicher Anstrengung verbunden ist (Einwachsen des Zaunes mit der Bodenvegetation!). Wo es die Gegebenheiten zulassen, kann man alternativ zur Flächenzäunung auch mit Einzelschutzmaßnahmen (diverse Baumschutzgitter, selbst gestaltete Drahtkörbe) arbeiten. Diese Maßnahmen eignen sich für Laubholz, Lärche und Douglasie (extrem anfällig für Fegeschäden durch den Rehbock). Bei anderen Nadelhölzern kann man unterschiedliche streich- oder spritzfähige Verbissschutzmittel verwenden (solange, bis die Jungpflanze dem Äser des Wildes entwachsen ist).

 

3. Welche Pflanzen soll man setzen und wie groß soll der Pflanzverband sein?
Wenn man über die Baumartenwahl und den richtigen Pflanzverband nicht Bescheid weiß, ist es am besten, beim zuständigen Waldhelfer oder Kammerforstberater, Rat zu holen. Wichtig ist, dass man neben der Flächengröße, (um die benötigten Jungpflanzen zu errechnen) auch über die Höhenlage, Exposition und Bodenbeschaffenheit Bescheid weiß. Die klassischen Pflanzverbände, wie es sie früher bei Fichtenreinaufforstungen gegeben hat, sind mittlerweile nicht mehr zeitgemäß. Viele Waldbauern richten den passenden Pflanzverband nach ihren technischen Bewirtschaftungsmöglichkeiten aus. Zusätzlich zwingen uns die immer auftretenden Wetterkapriolen zu Baumartenmischungen, wobei jede Baumart ihre eigenen Ansprüche an Licht, Standraum und Bodenbedingungen aufweist. Somit kann kein allgemeines Patentrezept bezüglich Pflanzverband vorgegeben werden. Die Frische der Pflanzen und die richtige Herkunft für das jeweilige Gebiet sind für den Erfolg der Aufforstung von entscheidender Bedeutung.

4. Soll man vor der Pflanzung einen Wurzelschnitt durchführen?
Bei dem Thema „Wurzelschnitt“ an Forstpflanzen gibt es immer noch unterschiedliche Meinungen. Aus persönlichen Erfahrung kann man sagen, dass ein routinemäßig durchgeführter Wurzelschnitt vor der Pflanzung nicht mehr zeitgemäß ist. Der Wurzelschnitt sollte nur mehr dann angewendet werden, um etwaige mechanische Verletzungen an den Wurzeln zu beseitigen. Dazu sollte eine funktionierende Baumschere verwendet werden, womit ein scharfer, glatter Schnitt durchgeführt werden kann. Diese Maßnahme ist meist bei größeren Laubholzpflanzen notwendig, wo mechanische Verletzungen beim Pflanzenaushub in den Forstgärten entstehen können. Je größer die Pflanze, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit von mechanischen Verletzungen. Beim Nadelholz ist es oft so, dass ein hoher Feinst- und Feinwurzelbereich gegeben ist, der beim Setzen zu Wurzeldeformationen im Pflanzloch (Pflanzloch meist zu klein!) führt. In solchen Fällen gibt es eine passende Anleitung aus der Praxis, wo nicht viel falsch gemacht werden kann: „Die Pflanze auf den Kopf drehen und alle Wurzelteile, die über den Terminaltrieb hinausragen, kann man entfernen.“ Der Wurzelschnitt sollte jedoch nicht mehr als 20 % der Fein- und Feinstwurzelmasse betreffen. Schnittflächen mit einem Durchmesser von mehr als 4 mm, müssen vermieden werden (zu große Eintrittsöffnungen für Pilze und Bakterien). Man muss sich bewusst sein, dass jeder Schnitt zu einer Verstümmelung eines lebenswichtigen Organs führen kann, dessen Funktionen dadurch beeinträchtigt werden bzw. unwiederbringlich verloren gehen kann.

5. Welche Pflanzmethode/Pflanztechnik soll man verwenden?
Die Wahl der richtigen Pflanzmethode und des passenden Pflanzzeitpunktes sind wesentliche Voraussetzungen für das Gelingen einer Pflanzung. Die Pflanzmethode sollte so gewählt werden, dass die Wurzeln möglichst unbeschadet in den Boden gebracht werden können. Ein Grundsatz lautet: „Die Pflanztechnik muss an die Größe der Pflanze angepasst werden.“ Dabei ist es vollkommen egal, welches Werkzeug, ob Bohrer, diverse Pflanzspaten oder die Winkelhaue benützt werden. Ziel muss es sein, ein großzügiges Pflanzloch zu schaffen, damit die naturgegebene Dreidimensionalität des Wurzelsystems genügend Platz vorfindet. Jede Art von Quetschung, Stauchung oder Drehen der Wurzelmasse im Pflanzloch ist zu unterlassen. Um die Pflanzung ordnungsgemäß abzuschließen, ist auf einen festen Bodenschluss zwischen Wurzelmasse und Boden zu achten. Beim Setzen selbst ist darauf zu achten, dass Pflanze für Pflanze aus eigens dafür entwickelten Pflanztaschen oder zumindest aus einem Frischhaltesack entnommen werden. Es ist darauf zu achten, dass die schädigende Einwirkung des Windes und der Sonne auf das Feinwurzelsystem so gering als möglich ist. Optimal wäre ein Behälter oder Kübel, wo die Wurzeln der Pflanze in einer sogenannten „Erdschlämme“ sind. Ein weiteres Kriterium bei der Pflanzarbeit ist die Versorgung jener Pflanzen, welche noch nicht gesetzt werden. Die besten „Zwischenlagermöglichkeiten“ sind entweder die übrigen Pflanzen vorübergehend in das Erdreich einzuschlagen oder eine Aufbewahrung in Pflanzenfrischhaltesäcken. Diese dürfen nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden, das dies zu einer Überhitzung führen könnte. Letztendlich sei noch erwähnt, dass für eine erfolgreiche Aufforstung die Problematik mit dem Großen Braunen Rüsselkäfer (Hylobius abietis) nicht außer Acht gelassen werden darf (betrifft die gesamte Nadelholzpalette). Dabei ist es wichtig, die Aufforstung regelmäßig zu kontrollieren, um bei einem Befall schnell und gezielt reagieren zu können.

Abschließend darf noch die Frage der Förderung/Unterstützung seitens des jeweiligen Bundeslandes oder Jagdverbandes nicht vergessen werden. Eine Aufforstung ist eine kostspielige Angelegenheit. Bei ausreichender, fachlicher Information und Kenntnis kann ein gewisser Kostenanteil durch Förderungen oder Unterstützungen lukriert werden kann.